Samstag, 11. September 2010

Outtake No. 1: Only in America...

Von grünen Zahnstochern und Bauchnabelbürsten, lustigen Gummis und viel viel mehr



Immer wenn jemand aus unserer Familie auf Reisen geht, lautet der Standardspruch meines Vaters: „Und bringt fei grüne Zahnstocher mit!“ Bisher ist noch niemandem dieses Unterfangen geglückt, umso zuversichtlicher waren wir, in den USA die grünen Zahnstocher (aus Holz, nicht aus Plastik) zu finden – hier gibt’s doch schließlich alles, oder? Dummerweise haben wir in den ersten Wochen nicht akribisch genug gesucht, denn kaum hatten wir Michigan verlassen, meldete sich Lucretia bei uns, um zu sagen, sie hätte grüne Holz-Zahnstocher in einem Supermarkt gesehen. Von dem Moment an war natürlich insbesondere Johns Ehrgeiz geweckt, wobei die Herausforderung hauptsächlich darin bestand, in einem riesigen amerikanischen Supermarkt das entsprechende Regal zu finden – oder wüsstet Ihr auf Anhieb, wo man da nach Zahnstochern suchen soll? (Meistens waren sie nicht weit von Backpapier, Alupfannen, Servietten und Strohhalmen – nur falls jemand auf seiner nächsten USA-Reise mal dringend Zahnstocher benötigen sollte).

Ganz besonders schlimm wurde es an unseren letzten beiden Tagen in Florida, da John nun langsam die Torschlusspanik überkam: Egal ob Tankstelle, kleiner Drugstore oder Riesensupermarkt: überall wurde jetzt Halt gemacht, um die verdammten Zahnstocher zu finden. Leider wurden unsere Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt – es gab entweder nur die ganz einfachen aus Holz oder Grüne aus Plastik, was umso bedauerlicher war, da wir nun ja wussten, dass es die Dinger tatsächlich in Amerika gibt. Allerdings scheint mein Vater auch von unserem Alternativgeschenk „for the person who has everything“ hellauf begeistert zu sein, das wir in Nashville gefunden haben: Eine Fusselbürste für den Nabel, mit einem kleinen Bürstenkopf aus kuscheligem rotem Plüsch – wenn das mal kein gelungener Ersatz ist!

Es gab aber auch allerhand andere witzige und nützliche Sachen, die es vielleicht auch in Deutschland geben mag, wir allerdings hierzulande noch nicht entdeckt haben. Als besonders praktisch vom ersten Tag an erwiesen sich sogenannte Bottle Tops, Flaschenhälse aus Plastik mit Verschluss, die man auf Getränkedosen anbringen kann. Anders als bei uns gibt es in Amerika Getränke noch hauptsächlich in Dosen, die zusammen mit Papier, Restmüll und Plastik alle im gleichen Mülleimer landen – nur in Michigan gibt’s Pfand auf die Dosen, so dass sich das getrennte Sammeln lohnt.

Mit den Bottle Tops wird nicht nur das Trinken aus der Dose angenehmer, auch das Getränk wird nicht so schnell fad, außerdem können keine Wespen reinschlüpfen und zudem kann man die Dose auch bequem im Auto transportieren, ohne etwas zu verschütten. Wenn man allerdings einen undichten Verschluss oder eine leicht verbeulte Dose erwischt, kann’s schon mal ne etwas größere Schweinerei im Auto geben (wir wissen das aus Erfahrung). Besonders wichtig ist auch, dass man die Dose öffnet, bevor man den Bottle Top anbringt (da das Teil bombenfest sitzt und nur schwer wieder zu lösen ist – die Dose bleibt dabei nur selten heil). Außerdem sollte man beim Aufstülpen des Kopfes sehr behutsam vorgehen, John ist bei seinem ersten brachialen Versuch abgerutscht und hat sein ganzes Mountain Dew über den Küchentisch (und seine Mutter) verteilt. Insgesamt waren die Bottle Tops jedoch angenehme und nützliche Begleiter während unserer gesamten Reise.

Nützliche Begleiter sind für viele Frauen sicherlich auch solche Handtaschen, wie Sandy eine hat: die Basistasche ist – vermutlich – mit Metallfäden durchzogen, die verschiedenen Ummantelungen sind magnetisch und können jederzeit ausgetauscht werden, so dass die Handtasche farblich und stylisch immer zur Kleidung passt und man sich das Umräumen des Tascheninhaltes erspart. Gottseidank bin ich nicht so sehr auf Handtaschen abgerichtet, sonst hätten wir der Zahnstocher-Suche noch eine weitere Mission hinzufügen müssen.

Was man nicht suchen muss, weil es das an jeder Ecke gibt, sind die sogenannten Silly Bands, scheinbar der letzte Schrei in den USA. Dabei handelt es sich um dünne Gummiarmbänder in Quietschfarben und allen erdenklichen Formen, ob Tier-Silhouetten, Sterne, Buchstaben oder die Umrisse von Disney-Figuren – zu jedem Thema gibt es verschiedene Beutelchen mit ca. zehn Bändern zu kaufen, und das wirklich überall! Schön sind sie nun wirklich nicht, aber wir haben Hanna mal zwei Tütchen mitgebracht – sollte dieser seltsame Trend nach Deutschland schwappen (wovon auszugehen ist, bei der Rewe soll’s schon welche geben), wird sie eine der Vorreiterinnen sein – und ihr scheinen sie ja zu gefallen.


Über die riesige Auswahl unterschiedlicher Lebensmittel braucht man eigentlich gar nicht weiter zu reden. Jedes Mal, wenn wir mit hängenden Köpfen aus dem Zahnstocher-Gang geschlichen sind, wollte John noch einen Abstecher zu den Süßigkeiten machen. Die perverseste Ausbeute war einmal eine riesige Sammeltüte mit 22 einzeln verpackten Mini-Chipstüten verschiedener Marken und Geschmacksrichtungen (die sich für den kleinen Hunger zwischendurch dann allerdings doch als ganz brauchbar herausstellten). Für John waren die Ausflüge in die Süßigkeitenabteilungen wie eine Stippvisite im Schlaraffenland und ich machte erstmals Bekanntschaft mit so Sachen wie Cracker-Jacks und Life Savers. Überwältigend fand selbst John die riesige Auswahl an Popcorn in sämtlichen Variationen, während ich wahrscheinlich die Poptarts (die bereits erwähnten Kekse für den Toaster) am meisten vermissen werde.

Wir haben natürlich eingekauft wie die Weltmeister, und so kann auch die Beschäftigung mit dem Wechselgeld zu einem interessanten Zeitvertreib werden. So wie man bei uns mal gelegentlich aus Langeweile einen Blick auf die Münzen wirft, um zu sehen, aus welchem Euro-Land sie stammen, kann man in den USA die Quarters (25 Cent Stücke) unter die Lupe nehmen. Manche haben nur das Symbol der Vereinigten Staaten auf der Rückseite, andere sind sogenannte State-Quarters mit typischen Symbolen der verschiedenen Bundesstaaten – bei Michigan sind beispielsweise die Großen Seen abgebildet. Eigentlich wollten wir die State-Quarters der von uns besuchten Staaten sammeln, haben dieses Hobby allerdings auch nicht leidenschaftlich genug betrieben, so dass uns immer noch Kentucky fehlt. Mittlerweile schmieden wir schon die nächsten Reisepläne – und beim nächsten Mal haben wir dann hoffentlich die State Quarters von Arizona, Nevada und Kalifornien im Gepäck. Und definitiv die grünen Zahnstocher...


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