Corbin/Kentucky. Von Truckern und Rednecks, Krankenhäusern und Motels, falschen Erwartungen und mehr
Wir melden uns heute Abend live aus dem Best Western Motel in Corbin, Kentucky. Unser erster Weg in Kentucky führte uns direkt ins Baptist Regional Medical Center, aber keine Panik: John und mir geht es gut. Weniger gut erging es hingegen John’s Tante Laura Mae, die letzte Woche von ihrem eigenen Mann überfahren wurde, der tragischerweise Bremse und Gas verwechselt hatte. Aber auch sie ist mittlerweile gottseidank auf dem Weg der Besserung.
Während John seinen Krankenbesuch machte, musste ich
leider draußen warten, da ich mir – wie immer pünktlich zur Urlaubszeit
– mittlerweile eine böse Erkältung eingefangen habe. Ich bin überzeugt,
dass einzig und allein diese verdammten Klimaanlagen schuld sind:
Draußen ist eine Bullenhitze, aber in allen Gebäuden (besonders schlimm
sind die Restaurants) herrschen arktische Temperaturen. Unser kleiner
Ausflug in Sandy’s Outdoor-Whirlpool gestern Nacht war vermutlich auch
nicht gesundheitsfördernd, aber zumindest habe ich dabei meinen heißen
Erkältungstee geschlürft, was an sich schon ein lustiges Bild war.
Ansonsten sind wir wie geplant mit Go-Kart und Quads
über die Wiese gebrettert und Lonnie hat mit uns eine Runde in seinem
Truck gedreht. War fast wie in „Ruf Teddybär 1-4“, nur dass wir nicht im
Rollstuhl sitzen. Geschlemmt haben wir wieder wie die Weltmeister: es
gab Kotelett mit Kartoffelbrei und Bohnen, außerdem Seven-Up-Jello
(Wackelpudding mit Seven-Up-Geschmack und Marshmallows oben drauf) und
Banana-Split-Cake (das Rezept dafür haben wir im Gepäck).
Aber zurück nach Kentucky: Nach dem Besuch bei Laura
Mae haben wir uns auf die Suche nach John’s Wurzeln gemacht und sind
erstmal in Barbourville gelandet, dem Heimatort seiner Mutter. Im
gleichen Ort wohnt auch John’s Cousin Wendell (väterlicherseits). Er hat
sich mir gleich als Hillbilly und Redneck vorgestellt und auf seinen
sonnenverbrannten Nacken verwiesen. Mit ihm sind wir zur alten Farm der
Smiths rausgefahren – das alte Farmhaus steht leider nicht mehr, und das
Grundstück wurde verkauft. Nur der Friedhof ist noch in Familienbesitz
und wir wurden beide herzlich eingeladen, hier einmal unsere letzte Ruhe
zu finden.
Wenn man von den Überführungskosten mal absieht,
wäre Kentucky gar kein so schlechter Ort für die Ewigkeit: Grünes
Hügelland soweit das Auge reicht, es sieht fast aus wie in den deutschen
Voralpen. Von Bluegrass gab es bislang allerdings keine Spur – aber
Wendell hat uns versichert, dass es das tatsächlich hier gibt.
Unglücklicherweise wurde auch Laura Mae’s Mann Doub heute Morgen ins Krankenhaus eingeliefert, so dass eine größere Family-Reunion leider nicht stattfinden kann. Morgen früh werden wir deshalb nochmal einen Abstecher zu den beiden Unglücksraben machen, dann geht’s auch schon weiter nach Tennessee. Jetzt aber brauchen wir nach einem langen, langen Tag erstmal eine Mütze voll Schlaf. Gute Nacht – and may the blue moon of Kentucky shine on!
















