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Mittwoch, 1. September 2010

Murphy's Law - and Georgia on my Mind

Valdosta/Georgia. Von Country-Legenden und Radio-Shows, großen Stars und schlechten Sternen, einigen Pannen und mehr


Wir sind wieder auf dem Dixie Highway, haben heute Morgen dem „Volunteer-State“ Tennessee den Rücken gekehrt und sind mittlerweile im „Empire State of the South“, Georgia. Den Chattahoochee River haben wir schon vor Stunden überquert und auch die Südstaaten-Metropole Atlanta haben wir trotz zähfließendem Verkehr auf der dort immerhin achtspurigen Interstate heil umschifft. Von Nashville bis Orlando sind es ca. 12 Stunden, dh. ich habe im Moment genügend Zeit, Euch vom gestrigen Tag zu berichten, der unter keinem guten Stern stand.

Eigentlich fing der Tag gar nicht mal so schlecht an: wir machten uns zuerst auf den Weg nach Downtown Nashville, um die Country Music Hall of Fame and Museum zu besuchen. Momentan hat das Museum zwei zeitlich begrenzte Sonderausstellungen: gleich nach dem Eingang dreht sich alles um das Leben und die Karriere von Tammy Wynette („Stand by your man“), der Großteil der zweiten Etage läuft unter dem Motto „A Family Tradition“ und widmet sich der Country-Legende Hank Williams und seinen – ebenfalls berühmten – Nachfahren Hank Williams Jr. und Hank Williams III.

Im Abschnitt „Sing me back home“ wird man umfassend über die Geschichte der Countrymusik von ihren Anfängen bis zur Gegenwart informiert. An den Wänden hängen alte Veranstaltungsplakate und hunderte von Schallplatten in Gold und Platin; in den Schaukästen sind Originalkostüme, Instrumente und persönliche Gegenstände der Stars ausgestellt. Mein persönliches Highlight war das von John Hartford verfasste handschriftliche Originalmanuskript zu „Gentle on my mind“. Natürlich kann man wieder überall Knöpfe drücken um Musik zu hören und kleine Filme zu sehen. U.a. gibt es eine Dokumentation über Countrymusik in Film und Fernsehen, mit Ausschnitten aus der von Buck Owens präsentierten Show „Hee Haw“, worüber sich John besonders freute, da er diese Show früher selbst oft geschaut hat.

In der untersten der drei Etagen findet man dann die eigentliche Hall of Fame – eine ringförmige Halle, in der die Tafeln der Mitglieder willkürlich angeordnet sind, um zu betonen, dass jeder Einzelne hier den gleichen Rang hat. Wenn man das Gebäude verlässt und die Straße überquert, gelangt man in einen kleinen Park, in dem man den Music City Walk of Fame entlangschlendern kann – ähnlich wie in Hollywood haben hier die Künstler ihre eigenen Sterne am Boden.


Danach wurden wir vom Pech verfolgt: auf dem Stadtplan sahen wir ein großes Gebilde, das als „Bicentennial Mall“ gekennzeichnet war, und wir beschlossen, diese Mall zu besuchen. Dummerweise hatten wir keine Adresse für’s Navi, so dass wir uns im Straßenlabyrinth Nashvilles heillos verfransten. Gut, dann also erstmal kein Shopping. Stattdessen fuhren wir raus nach Opryland, um dort das Museum der Grand Ole Opry zu besuchen. Die Grand Ole Opry ist die älteste kontinuierlich laufende Radioshow der Welt und wird regelmäßig live aus dem Opry House in Nashville übertragen. Vor Ort erfuhren wir, dass das Gebäude bei dem schlimmen Unwetter vor ein paar Monaten zerstört wurde und dass das Museum jetzt wieder im Ryman Auditorium in der Innenstadt untergebracht ist (von hier wurde die Opry von 1934 bis 1974 übertragen). Leicht genervt fuhren wir also wieder zurück in die Stadt, um festzustellen, dass das Ryman nur einen Katzensprung zu Fuß von der Hall of Fame entfernt ist, wir aber mittlerweile drei Stunden verblödelt hatten und das Auditorium schon geschlossen war.


Zähneknirschend machten wir uns stattdessen erneut auf die Suche nach der Mall, fanden sie letztlich auch, nur dass die „Mall“ kein Einkaufszentrum sondern ein riesiger Stadtpark war! Wer zum Teufel kommt eigentlich auf den Gedanken, einen Park nicht Park sondern „Mall“ zu nennen?? In unserem Reiseführer war jedoch die Rede von einer „echten“ Shopping-Mall an der Ausfahrt Bell Street. Wir tippten also Bell Street ins Navi, gerieten erstmal in einen Stau und landeten ca. 40 Minuten später in einem Wohnviertel, von einer Mall war natürlich weit und breit nichts zu sehen.

Frustriert machten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel, um uns ein bißchen zu erholen. Unterwegs machten wir noch schnell Halt bei Walgreen’s, einem etwas größeren Supermarkt, um dort u.a. eine Verizon-Prepaid-Karte für unser Handy zu kaufen. Zurück im Hotel stellten wir fest, dass der Pin-Code zum Aufladen des Handys nicht funktionierte. John rief daraufhin direkt bei Verizon an und hatte eine freundliche Frau an der Strippe, die ihm erstmal ihre ganze Lebensgeschichte erzählte, bevor sie nach ca. 30 Minuten zu dem Schluss kam, dass wir eigentlich eine Extra-Quittung von Walgreen’s mit dem richtigen Code bräuchten, die uns natürlich niemand gegeben hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte John – wer will’s ihm verdenken – schon ganz üble Kopfschmerzen, doch die ebenfalls bei Walgreen’s gekauften Kopfschmerztabletten entpuppten sich als Schlaftabletten. Dann also ohne Drogen zurück zum Supermarkt. Die hatten dort zwar gottseidank noch unsere Quittung, leider nur war der Code schlecht lesbar, und da John vorher schon andere Nummern probiert hatte, wurde prompt unser Account gesperrt. Die Servicenummer konnten wir noch anrufen, aber für ein persönliches Gespräch brauchte man den Sicherheits-Pin des Handys und der war natürlich – dreimal dürft Ihr raten – im Hotel. Der mittlerweile eingetroffene Walgreen’s Manager machte auf blöd und wollte uns weder eine neue Verizon-Karte noch unser Geld zurückgeben. John legte ihm allerdings nahe, sich was einfallen zu lassen, denn wir würden mit Sicherheit nochmal zurückkommen, falls es mit dem unleserlichen Code nicht klappen sollte. Zurück im Hotel erwischte John dann gottseidank einen hilfsbereiten und weniger leutseeligen Verizon-Mitarbeiter, so dass uns letztendlich doch noch unsere 15 Dollar gutgeschrieben werden konnten.

Dann war es auch schon wieder Zeit für den letzten Honky-Tonk-Abend downtown Nashville. Die Popstars-Auftritte im Wildhorse-Saloon hatten wir zwar verpasst, aber wir plauderten ein bißchen mit ein paar Münchnern, die zur Pro7-Crew gehörten. Dann schlenderten wir wieder den Broadway zwischen 2nd und 5th Avenue entlang, ließen uns von der aufregenden Nashville-Atmosphäre berieseln und kehrten noch in zwei gemütliche Bars ein. Am Ende wurde es dann doch noch ein versöhnlicher Abschied von „Music City USA“ – schade, dass wir nur zwei Tage hier verbringen konnten.


Mittlerweile haben wir die ersten acht Stunden der letzten Etappe hinter uns gebracht und sind im Sleep Inn in Valdosta gelandet, wo wir die Nacht verbringen werden. Und während bei Euch schon wieder ein neuer Tag beginnt, legen wir uns jetzt auf's Ohr.

with a tear in our beer,

 

Montag, 30. August 2010

Live From Nashville, Tennessee

Nashville/Tennessee. Von Pickups und Shotguns, Coyoten und Cowboys, Country-Music und mehr


Und wieder einmal geht ein langer Tag zu Ende. Heute Morgen ging’s als erstes wieder ins Baptist Regional Medical Center um John’s Onkel Doub zu besuchen. Dort trafen wir auch John’s Cousin Virgil (den Bruder von Wendell), der uns stolz seinen verchromten Lincoln Pickup-Truck vorführte und uns damit zu unserem popeligen Dodge fuhr. Da wir ja hier im Süden unter Rednecks weilen, wird es Euch nicht überraschen, dass sich auf der Ladefläche das obligatorische Gewehr befand.

Dann machten wir uns auf in Richtung Tennessee, und nach etwa eineinhalb Stunden landeten wir in Racoon Valley, um uns dort mit John’s Onkel Ray zum Frühstück zu treffen. Das „Amber“-Restaurant war ein typisches amerikanisches Highway-Diner, wie man es aus dem Fernsehen kennt, wo die Kellnerin herumgeht und Kaffee nachschenkt. Und selbstverständlich war es eiskalt drinnen.


Etwa vier Stunden später sind wir dann endlich am (Zwischen-)Ziel unserer Träume angelangt: Nashville, auch bekannt als Nashvegas (und das zu Recht!). Nachdem wir uns ein Zimmer im Days Inn North genommen hatten, ging es aber erstmal zum Friedhof in Hendersonville, um dort Johnny Cash und June Carter die letzte Ehre zu erweisen.


Danach wollten wir eigentlichen den „Nashville City Walk“ (einen Stadtrundgang mit historischem Schwerpunkt) hinter uns bringen, sind aber prompt im Kneipenviertel gelandet. Und da es eh schon spät war, sind wir gleich da geblieben. John und ich hatten ein bißchen die Befürchtung, dass unsere hohen Erwartungen an diese Stadt enttäuscht werden könnten, aber das Gegenteil war der Fall: Hier reiht sich wirklich eine Bar an die andere, bunte Leuchtreklamen blinken um die Wette, aus jeder Kneipe hört man Country-Livemusik, auf den Straßen fahren weiße Pferdekutschen mit Touristen und gelegentlich begegnet man einer Bande von Mädchen, die so aussehen, als wären sie direkt dem „Coyote Ugly“ entsprungen – was womöglich sogar der Fall sein kann.

Als erstes sind wir im berühmten Wildhorse Saloon gelandet. Hier gab es leider heute keine Livemusik, da derzeit – Achtung! – Aufnahmen für die deutsche Popstars-Staffel laufen. Die heutigen Auftritte haben wir leider/gottseidank verpasst, aber vielleicht schauen wir morgen nochmal rein. Danach ging’s weiter in die „Second Fiddle“, in der man sogar rauchen durfte und die Band auch solche Alltime-Favourites wie den Folsom Prison Blues und Copperhead Road im Programm hatte. Außerdem haben wir beim Hardrock-Café vorbeigeschaut und ein bißchen in den Souvenirläden gestöbert.


Für Morgen stehen dann noch die Besuche in der Country Music Hall of Fame und in der Grand Ole Opry auf dem Programm. Ja, es besteht kein Zweifel: We really made it to Nashville!

 

Sonntag, 29. August 2010

Kentucky! But where is the Bluegrass?

Corbin/Kentucky. Von Truckern und Rednecks, Krankenhäusern und Motels, falschen Erwartungen und mehr


Wir melden uns heute Abend live aus dem Best Western Motel in Corbin, Kentucky. Unser erster Weg in Kentucky führte uns direkt ins Baptist Regional Medical Center, aber keine Panik: John und mir geht es gut. Weniger gut erging es hingegen John’s Tante Laura Mae, die letzte Woche von ihrem eigenen Mann überfahren wurde, der tragischerweise Bremse und Gas verwechselt hatte. Aber auch sie ist mittlerweile gottseidank auf dem Weg der Besserung.

Während John seinen Krankenbesuch machte, musste ich leider draußen warten, da ich mir – wie immer pünktlich zur Urlaubszeit – mittlerweile eine böse Erkältung eingefangen habe. Ich bin überzeugt, dass einzig und allein diese verdammten Klimaanlagen schuld sind: Draußen ist eine Bullenhitze, aber in allen Gebäuden (besonders schlimm sind die Restaurants) herrschen arktische Temperaturen. Unser kleiner Ausflug in Sandy’s Outdoor-Whirlpool gestern Nacht war vermutlich auch nicht gesundheitsfördernd, aber zumindest habe ich dabei meinen heißen Erkältungstee geschlürft, was an sich schon ein lustiges Bild war.


Ansonsten sind wir wie geplant mit Go-Kart und Quads über die Wiese gebrettert und Lonnie hat mit uns eine Runde in seinem Truck gedreht. War fast wie in „Ruf Teddybär 1-4“, nur dass wir nicht im Rollstuhl sitzen. Geschlemmt haben wir wieder wie die Weltmeister: es gab Kotelett mit Kartoffelbrei und Bohnen, außerdem Seven-Up-Jello (Wackelpudding mit Seven-Up-Geschmack und Marshmallows oben drauf) und Banana-Split-Cake (das Rezept dafür haben wir im Gepäck).



Aber zurück nach Kentucky: Nach dem Besuch bei Laura Mae haben wir uns auf die Suche nach John’s Wurzeln gemacht und sind erstmal in Barbourville gelandet, dem Heimatort seiner Mutter. Im gleichen Ort wohnt auch John’s Cousin Wendell (väterlicherseits). Er hat sich mir gleich als Hillbilly und Redneck vorgestellt und auf seinen sonnenverbrannten Nacken verwiesen. Mit ihm sind wir zur alten Farm der Smiths rausgefahren – das alte Farmhaus steht leider nicht mehr, und das Grundstück wurde verkauft. Nur der Friedhof ist noch in Familienbesitz und wir wurden beide herzlich eingeladen, hier einmal unsere letzte Ruhe zu finden.

Wenn man von den Überführungskosten mal absieht, wäre Kentucky gar kein so schlechter Ort für die Ewigkeit: Grünes Hügelland soweit das Auge reicht, es sieht fast aus wie in den deutschen Voralpen. Von Bluegrass gab es bislang allerdings keine Spur – aber Wendell hat uns versichert, dass es das tatsächlich hier gibt.


Unglücklicherweise wurde auch Laura Mae’s Mann Doub heute Morgen ins Krankenhaus eingeliefert, so dass eine größere Family-Reunion leider nicht stattfinden kann. Morgen früh werden wir deshalb nochmal einen Abstecher zu den beiden Unglücksraben machen, dann geht’s auch schon weiter nach Tennessee. Jetzt aber brauchen wir nach einem langen, langen Tag erstmal eine Mütze voll Schlaf. Gute Nacht – and may the blue moon of Kentucky shine on!