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Montag, 13. September 2010

Outtake No. 3: Please wait to be seated!

Von Restaurant-Regeln und Bar-Besuchen, Gartenstühlen und viel viel mehr


Eines hat sich während unserer Reise ganz schnell herauskristallisiert: Verhungern muss man in den USA garantiert nicht! Egal, worauf man gerade Hunger hat, für jeden Geschmack findet sich das richtige Restaurant – an den Food Exits der Interstates hat man meist die Qual der Wahl zwischen mehr als einem Dutzend verschiedener Fast-Food- und Restaurant-Ketten. Wenn der kleine Hunger sich meldete, sind wir meistens bei Taco Bell eingekehrt, wo es mexikanisches Fast-Food wie Burritos oder Tacos gibt. Nett sind da auch die Soßenbeutelchen (mild, hot und fire), die mit kleinen Sprüchen wie z.B. „Will you scratch my back?“ versehen sind und von denen jetzt ein paar in unserem Kühlschrank liegen.


Natürlich haben wir uns nicht ausschließlich von Fast-Food ernährt, wir waren auch häufiger in „richtigen“ Restaurants, und auch wenn ich dank meiner USA-Bücher schon bestens informiert war, war es trotzdem immer wieder eine interessante Erfahrung für mich. Direkt am Eingang steht tatsächlich in jedem Restaurant ein Schild mit der Aufschrift „Please wait to be seated!“, direkt daneben befindet sich meistens ein Pult, an dem bereits ein Angestellter darauf wartet, die Gäste an ihren Tisch zu geleiten und jedem eine Speisekarte zu überreichen. Im Texas Roadhouse befindet sich am Eingang sogar ein Wartebereich, der dem Wartezimmer einer Arztpraxis nicht unähnlich ist – mal abgesehen von den Nussschalen am Boden, da hier überall Eimer mit Erdnüssen zur Selbstbedienung stehen und es zum guten Stil gehört, die Schalen einfach auf den Boden zu werfen.

Aber zurück zum Tisch: Nachdem der Empfangsherr bzw. die Empfangsdame abgerauscht ist, erscheint sofort die eigentliche Bedienung am Tisch, stellt sich namentlich vor und nimmt die Getränkebestellung auf. Meistens wird man während des Besuchs übrigens mit „Sir“ bzw. „Ma’am“ angeredet – und wir waren weiß Gott nicht in 5-Sterne-Restaurants unterwegs! Das Studieren der Speisekarte kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da jedes Gericht in aller Ausführlichkeit beschrieben ist, und man sich sowohl die Hauptmahlzeit als auch die Beilagen (meistens sind zwei inklusive) in verschiedenen Variationen selbst zusammenstellen kann – oft stand ich bei den Zutaten oder der Zubereitungsart völlig auf dem Schlauch, während John meistens seine Lesebrille vergessen hatte und die Karte nicht entziffern konnte.

Hat man dann die Bestellung gemeistert, gibt’s normalerweise erstmal einen Korb voller frischer und noch warmer „Biscuits“ (kleine Brötchen), wobei die Cheese-Biscuits bei Red Lobster unschlagbar sind, während die Biscuits mit Zimtbutter im Texas Roadhouse eher als Nachtisch geeignet wären. Manchmal sind bei den Getränken kostenlose Refills inklusive – bei Ruby Tuesday brachte der Kellner schon Nachschub, wenn man gerade mal die Hälfte seines Glases geleert hatte. Wobei dieser Service eigentlich durchaus angebracht ist, wenn man bedenkt, dass sich im Glas mehr Eiswürfel als Cola befinden – es sei denn, man bestellt ausdrücklich „ohne Eis“, was wir aber meistens vergessen haben.


Sobald man dann sein Essen vor sich hat, startet die Bedienung ihren Patrouillen-Gang und kommt etwa alle 30 Sekunden an den Tisch, fragt ob alles okay ist oder ob man noch weitere Wünsche hat. Wenn nach dem etwa fünften Besuch immer noch alles in Ordnung ist, erscheint meist wie von Geisterhand die Rechnung auf dem Tisch – manchmal in einem kleinen Lederbuch, manchmal in einer speziellen Halterung an der Tischkante. Die Botschaft dahinter: Essen und dann raus hier, im Wartezimmer sitzen noch andere Leute! Vermutlich sollen auch die bereits erwähnten auf „Winter“ stehenden Klimaanlagen einfach nur verhindern, dass die Leute es sich zu gemütlich machen und am Ende noch sitzen bleiben und plaudern wollen (deshalb: unbedingt Jacke mitbringen, damit man beim Essen nicht vor Kälte mit den Zähnen klappert!).

Anders als in deutschen Restaurants sind in den USA die sogenannten „Service-Kosten“ übrigens noch nicht im Preis eingeschlossen, und ein Trinkgeld von 15-20% wird generell erwartet! Gibt man kein Trinkgeld, kann das freundliche Verhalten der Bedienung laut Reiseführer schon mal in Feindseligkeit umschlagen – und dummerweise mussten wir das aufgrund eines Missverständnisses am eigenen Leib erfahren, als wir uns eines Nachts noch einen Snack bei Steak’n‘Shake in Palm Coast gönnten...
Als es ans Bezahlen ging, legte John 18 Dollar (davon etwa zwei Dollar Trinkgeld) in die dafür vorgesehene Halterung. Die überdurchschnittlich freundliche Bedienung in dem 50er Jahre Diner fragte daraufhin, ob wir Wechselgeld benötigten, was John verneinte (wobei die Frage an sich schon merkwürdig war, normalerweise wird das Geld einfach genommen, wenn der Kunde nicht ausdrücklich nach Wechselgeld fragt). Gleichzeitig bat ich um einen Plastikbecher für meinen noch halbvollen Schoko-Mint-Shake, den ich mitnehmen wollte (was in den USA so üblich ist – hier gibt’s für jedes Gericht oder Getränk passende Plastikboxen). Im Gehen fragte die Bedienung wieder, ob wir Wechselgeld brauchen, was wir wieder verneinten. Im Nachhinein haben wir uns gewundert, ob sie anstatt „do you need change?“ vielleicht „may I keep the change?“ gefragt hat, was allerdings noch blöder von ihr gewesen wäre! Das Ende vom Lied war, dass sie nach etwa zehn Minuten wieder an unseren Tisch gerauscht kam, uns mit den Worten „Here’s your cup and here’s your change“ den Becher und das Wechselgeld hingeknallt hat und ohne weiteren Gruß wieder davongestürmt ist. Natürlich haben wir ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut und sind dann auch eiligst verschwunden – das Trinkgeld haben wir selbstverständlich liegen lassen, vielleicht hat sie im Nachhinein gemerkt, dass hier irgendwo ein Missverständnis vorlag. Oder die Teenager am Nachbartisch haben es eingesteckt, wer weiß das schon.

Auch wenn man sich als Deutsche in amerikanischen Restaurants manchmal etwas fremd fühlt – besonders wenn man in seinen Hausschlappen unterwegs ist, weil man in der Hektik des Aufbruchs vergessen hat, die Schuhe zu wechseln – so ist zumindest der Besuch einer Bar auch nicht viel anders als in Deutschland. Auch in den USA herrscht normalerweise ein strenges Rauchverbot in Bars und Kneipen, nur in Nashville gibt es einige Bars, in denen ein Schild bereits am Eingang darauf hinweist, dass hier Rauchen erlaubt ist und aufgrund des Jugendschutzes der Eintritt deshalb erst ab 21 Jahren gestattet ist. Außerdem scheinen manche Kneipen dort den Umsatz ausschließlich mit dem Ausschank von Bier zu machen, so dass in der „Second Fiddle“ meine Diet Coke tatsächlich „for free“ war.


Von unserem Besuch in Eddie’s Bar in Royal Oak haben wir ja bereits kurz berichtet – es war der denkwürdige Abend mit Kimmi… Am besten beschreiben lässt sich Eddie’s Bar als Biker-Treff, aber es gab auch Karaoke, die Keno-Lottery und Shuffle-Board. Allerdings handelt es sich bei Shuffle-Board nicht um das aus Ferienclubs bekannte Spiel auf grünen Filzteppichen: das Board ist – wie der Name schon sagt – ein langes Brett aus glatt poliertem Holz, bestreut mit einer dünnen Schicht aus feinstem Sand. Auf dieser etwa hüfthohen Bahn muss man dann seine Spielsteine (ähnlich wie Eishockey-Pucks, nur aus ganz glattem Metall und mit abgerundeten Kanten) sanft entlang gleiten lassen und sie gut platzieren – je weiter vorne sie landen, desto mehr Punkte gibt es. Man muss nur aufpassen, dass man ihnen nicht zuviel Schwung mit auf den Weg gibt und sie hinten vom Brett fallen, andererseits sollte man natürlich die Steine der Gegner über den Rand ins Aus befördern – kurz und gut: ein typisches „Schlag den Raab“-Spiel.

Weniger Geschicklichkeit sondern ausschließlich Glück braucht man für die Keno-Lottery. Über Monitore in der Kneipe kann man alle paar Minuten eine lustig animierte Ziehung von etwa 15 Zahlen beobachten, die für sämtliche teilnehmenden Bars in Michigan gültig ist. Man kann jederzeit einen Tippschein ausfüllen und dabei die Einsatzhöhe, die Anzahl der getippten Zahlen und weitere Sonderoptionen selbst wählen und ist dann bei der nächsten Ziehung dabei. Wir haben ein paar 2-Dollar Spiele mitgemacht, mal gewonnen, mal verloren, und am Ende nichts dabei verdient.

Von dem Abend in Toby Keith’s Bar haben wir auch bereits berichtet, und scheinbar muss man als Country-Star wohl seine eigene Kneipe haben, denn in Nashville stießen wir auf die Bars von Dolly Parton und Charlie Daniels, in Orlando gibt es Jimmy Buffett’s „Margaritaville“. Das Beste in dieser Bar waren allerdings nicht die wunderbaren Frozen Margaritas oder die geniale Band, sondern die Raucherzone direkt vor dem Eingang. Hier stehen sogenannte Adirondack Chairs, bunt bemalte Gartenstühle aus Holz, die aufgrund ihrer Form so bequem sind, dass man eigentlich gar nicht mehr aufstehen mag (oder kann, weil man irgendwie ziemlich tief sitzt). Spaßeshalber haben wir mal die Margaritaville-Website besucht und festgestellt, dass man so einen Stuhl dort sogar bestellen kann – für 349,59 Dollar plus 75 Dollar Versand, wobei der Versand nach Europa bestimmt um Einiges teurer wäre. Wie dem auch sei, leider kann man nach einem vierwöchigen USA-Urlaub nicht gerade mit der Kohle um sich werfen und schon gar nicht für einen Gartenstuhl; das muss wohl warten, bis wir irgendwann mal zuviel Geld übrig haben – oder um es mit den Worten der Amerikaner zu sagen: „Please wait to seated!“


 

Mittwoch, 18. August 2010

Good morning America, how are ya?

Royal Oak/Michigan. Von Formularen und Formalitäten, ersten Eindrücken und mehr


Sechs Uhr Morgens Ortszeit, wir sitzen gerade im Garten von John’s Familie in Royal Oak, trinken Kaffee, rauchen die eine oder andere Guten-Morgen-Zigarette und haben gleich mal den Laptop hervorgeholt um die frühen Morgenstunden für ein erstes Update zu nutzen.

Wie Ihr seht, sind wir trotz einiger kleiner Pannen und Missgeschicke gut hier angekommen. Nach einer atemberaubenden Fahrt zum Flughafen gestern Morgen (vielen lieben Dank nochmal an Verena!), stellte sich erstmal heraus, dass für John keine Flugdaten vorlagen. Nachdem dieses Problem endlich geklärt war, wurden die Koffer gewogen… für drei Kilo zuviel in meinem Koffer wollten die doch tatsächlich 100 Euro abkassieren! Klar, dass wir das nicht zahlen wollten, und so haben wir direkt am Check-In-Schalter nochmal die Koffer umgepackt. Danach ging eigentlich alles glatt über die Bühne: eine Stunde nach Amsterdam, kurze Zigarettenpause und weitere Sicherheitskontrollen und Interviews, anschließend ein achtstündiger, unspektakulärer Flug nach Detroit. Und nochmal Kontrollen, Formulare und Interviews. Für den Laptop hat sich gottseidank keiner interessiert.

Am Flughafen wurden wir von John’s Schwester Lucretia, ihrem Mann Chris und ihrem Sohn Brendan in Empfang genommen, zu Hause warteten John’s Mutter Patsy und der Hund Bosco. In unserem Zimmer fanden wir die Hausordnung von „Patsy’s Motel“ („La Casa Crap Hotel“), mit Annehmlichkeiten wie Free-WiFi und „Lunch Buffet Style located in the fridge“. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir dann plaudernd im Garten, und auch John’s alter Freund Kerry schaute mal kurz mit der Familie vorbei. Abends holten wir dann nur ein Takeaway-Dinner von Taco Bell (eindeutig eine Marktlücke in Deutschland!) und so gegen 22:00 Uhr Ortszeit ging’s dann nach 25 Stunden auf den Beinen endlich ins Bett.

Für heute steht erstmal ein Besuch in der Mall auf dem Programm, mal schauen, was sich sonst noch ergibt. Die nächsten Einträge hier sind ja dank Free WiFi gesichert. Bis bald!