Royal Oak/Michigan. Von Highways und Billboards, Großen Seen und Wäldern, einer Zeitreise und mehr
Heute in aller Herrgottsfrüh machten wir uns auf den
fast 300 Meilen weiten Weg Richtung Norden nach Mackinac Island (Wird
übrigens „Mäkkinoh“ und nicht „Mäkkinäck“ gesprochen). Schon bald
stellte sich die Fahrt allerdings als eine Zerreißprobe für deutsche
Autobahnen gewohnte Nerven heraus: breite, endloslange und fast leere
Straßen – und ein Tempolimit von 70 Meilen pro Stunde (ca. 110 km/h).
Die Landschaft mit den Kiefern- und Mischwäldern beiderseits der Straße
glich größtenteils der in unserer fränkischen Heimat – der einzige
Zeitvertreib war das Studieren der Billboards, die im weiteren Verlauf
der Fahrt hauptsächlich mit Attraktionen auf Mackinac Island warben.
Gelegentlich tauchte ein „Adopt a Highway“-Schild auf, was immer das
auch bedeuten mag.
Nach knapp mehr als vier Stunden kamen wir dann
endlich zur Mackinac-Bridge, die die Großen Seen Lake Michigan und Lake
Huron voneinander trennt. Kurz hinter der Brücke liegt das Städtchen St.
Ignace, von wo aus die Fähren Richtung Mackinac Island abfahren. Die
Überfahrt dauerte etwa zehn Minuten, und so gegen elf Uhr waren wir dann
da: auf einem herrlichen und idyllischen Fleckchen Erde, auf dem Autos
verboten sind und (abgesehen von den Fahrrädern und Touristen) alles so
aussieht, als wäre die Zeit dort vor 200 Jahren stehen geblieben.
Außerdem werden Besucher dort gnadenlos abgezockt, was das ganze Eiland
weniger sympathisch macht. Irgendwann in ferner Zukunft werden wir uns
dort eine Bed&Breakfast-Pension kaufen und munter mitmischen (John
weiß allerdings noch nichts davon. Halt doch, er schaut mir gerade über
die Schulter, Moment bitte… Okay, John ist einverstanden – er könne ja
angeln, während ich die Pension schmeiße).
Zurück zur Abzocke: 24 $ pro Person für die
Überfahrt, 125 $ pro Stunde für eine Fahrt in der Kutsche für fünf
Personen, 10,50 $ Eintritt pro Person ins Fort Mackinac, außerdem
Apothekerpreise für Essen und Trinken. Wir haben dann dankend auf die
Kutschfahrt verzichtet und einen Großteil der Insel zu Fuß erkundet.
Das Fort war ganz nett, Leute in Kostümen haben
Schießübungen mit Gewehr und Kanone vorgeführt, außerdem gab es überall
Ausstellungsräumen und kleine Filmchen zur Geschichte. Danach sind wir
zum Arch Rock gewandert, einer von der Natur geformten Felsformation in
Form eines Torbogens, sehr hübsch (und kostenlos außerdem)! Der letzte
Weg führte uns zur Scull Cave, in der sich einst ein englischer Offizier
vor Angreifern versteckt und auf einem Bett aus Indianerschädeln
übernachtet haben soll. Letztendlich entpuppte sich die Höhle als
kleines Loch im Gestein und Brendan – der laut eigener Aussage in seinem
Leben noch nie so viel am Stück gelaufen war (es war immerhin eine
Viertelmeile bis dahin) – war außer sich vor Frust.
Danach ging’s zurück zur wirklich hübschen
Mainstreet mit den vielen alten Häusern und Geschäften. Da es hier weder
einen Bass Pro Shop noch irgendwelche Schuhläden gibt, war John nach
fünf Minuten bereits müde. Andererseits hatten wir alle wenig geschlafen
und da Lucretia und ich aufgrund unseres Schuhwerks (sie in Flip-Flops,
ich – mal wieder – in Sandalen) sowieso keinen Schritt mehr zuviel
machen wollten, sind wir dann gegen fünf am Nachmittag wieder auf die
Fähre Richtung Festland gesprungen. Fazit unseres herrlichen kleinen
Ausflugs: Es war schön, den Rest des Bundesstaates ein bißchen zu
erkunden, da Michigan bei Weitem mehr zu bieten hat, als nur die
Motor-City Detroit.


















