Eines hat sich während unserer Reise ganz schnell
herauskristallisiert: Verhungern muss man in den USA garantiert nicht!
Egal, worauf man gerade Hunger hat, für jeden Geschmack findet sich das
richtige Restaurant – an den Food Exits der Interstates hat man meist
die Qual der Wahl zwischen mehr als einem Dutzend verschiedener
Fast-Food- und Restaurant-Ketten. Wenn der kleine Hunger sich meldete,
sind wir meistens bei Taco Bell eingekehrt, wo es mexikanisches
Fast-Food wie Burritos oder Tacos gibt. Nett sind da auch die
Soßenbeutelchen (mild, hot und fire), die mit kleinen Sprüchen wie z.B.
„Will you scratch my back?“ versehen sind und von denen jetzt ein paar
in unserem Kühlschrank liegen.
Natürlich haben wir uns nicht ausschließlich von
Fast-Food ernährt, wir waren auch häufiger in „richtigen“ Restaurants,
und auch wenn ich dank meiner USA-Bücher schon bestens informiert war,
war es trotzdem immer wieder eine interessante Erfahrung für mich.
Direkt am Eingang steht tatsächlich in jedem Restaurant ein Schild mit
der Aufschrift „Please wait to be seated!“, direkt daneben befindet sich
meistens ein Pult, an dem bereits ein Angestellter darauf wartet, die
Gäste an ihren Tisch zu geleiten und jedem eine Speisekarte zu
überreichen. Im Texas Roadhouse befindet sich am Eingang sogar ein
Wartebereich, der dem Wartezimmer einer Arztpraxis nicht unähnlich ist –
mal abgesehen von den Nussschalen am Boden, da hier überall Eimer mit
Erdnüssen zur Selbstbedienung stehen und es zum guten Stil gehört, die
Schalen einfach auf den Boden zu werfen.
Aber zurück zum Tisch: Nachdem der Empfangsherr bzw. die Empfangsdame abgerauscht ist, erscheint sofort die eigentliche Bedienung am Tisch, stellt sich namentlich vor und nimmt die Getränkebestellung auf. Meistens wird man während des Besuchs übrigens mit „Sir“ bzw. „Ma’am“ angeredet – und wir waren weiß Gott nicht in 5-Sterne-Restaurants unterwegs! Das Studieren der Speisekarte kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da jedes Gericht in aller Ausführlichkeit beschrieben ist, und man sich sowohl die Hauptmahlzeit als auch die Beilagen (meistens sind zwei inklusive) in verschiedenen Variationen selbst zusammenstellen kann – oft stand ich bei den Zutaten oder der Zubereitungsart völlig auf dem Schlauch, während John meistens seine Lesebrille vergessen hatte und die Karte nicht entziffern konnte.
Hat man dann die Bestellung gemeistert, gibt’s normalerweise erstmal einen Korb voller frischer und noch warmer „Biscuits“ (kleine Brötchen), wobei die Cheese-Biscuits bei Red Lobster unschlagbar sind, während die Biscuits mit Zimtbutter im Texas Roadhouse eher als Nachtisch geeignet wären. Manchmal sind bei den Getränken kostenlose Refills inklusive – bei Ruby Tuesday brachte der Kellner schon Nachschub, wenn man gerade mal die Hälfte seines Glases geleert hatte. Wobei dieser Service eigentlich durchaus angebracht ist, wenn man bedenkt, dass sich im Glas mehr Eiswürfel als Cola befinden – es sei denn, man bestellt ausdrücklich „ohne Eis“, was wir aber meistens vergessen haben.
Sobald man dann sein Essen vor sich hat, startet die
Bedienung ihren Patrouillen-Gang und kommt etwa alle 30 Sekunden an den
Tisch, fragt ob alles okay ist oder ob man noch weitere Wünsche hat.
Wenn nach dem etwa fünften Besuch immer noch alles in Ordnung ist,
erscheint meist wie von Geisterhand die Rechnung auf dem Tisch –
manchmal in einem kleinen Lederbuch, manchmal in einer speziellen
Halterung an der Tischkante. Die Botschaft dahinter: Essen und dann raus
hier, im Wartezimmer sitzen noch andere Leute! Vermutlich sollen auch
die bereits erwähnten auf „Winter“ stehenden Klimaanlagen einfach nur
verhindern, dass die Leute es sich zu gemütlich machen und am Ende noch
sitzen bleiben und plaudern wollen (deshalb: unbedingt Jacke mitbringen,
damit man beim Essen nicht vor Kälte mit den Zähnen klappert!).
Anders als in deutschen Restaurants sind in den USA
die sogenannten „Service-Kosten“ übrigens noch nicht im Preis
eingeschlossen, und ein Trinkgeld von 15-20% wird generell erwartet!
Gibt man kein Trinkgeld, kann das freundliche Verhalten der Bedienung
laut Reiseführer schon mal in Feindseligkeit umschlagen – und
dummerweise mussten wir das aufgrund eines Missverständnisses am eigenen
Leib erfahren, als wir uns eines Nachts noch einen Snack bei
Steak’n‘Shake in Palm Coast gönnten...
Als es ans Bezahlen ging, legte John 18 Dollar
(davon etwa zwei Dollar Trinkgeld) in die dafür vorgesehene Halterung.
Die überdurchschnittlich freundliche Bedienung in dem 50er Jahre Diner
fragte daraufhin, ob wir Wechselgeld benötigten, was John verneinte
(wobei die Frage an sich schon merkwürdig war, normalerweise wird das
Geld einfach genommen, wenn der Kunde nicht ausdrücklich nach
Wechselgeld fragt). Gleichzeitig bat ich um einen Plastikbecher für
meinen noch halbvollen Schoko-Mint-Shake, den ich mitnehmen wollte (was
in den USA so üblich ist – hier gibt’s für jedes Gericht oder Getränk
passende Plastikboxen). Im Gehen fragte die Bedienung wieder, ob wir
Wechselgeld brauchen, was wir wieder verneinten. Im Nachhinein haben wir
uns gewundert, ob sie anstatt „do you need change?“ vielleicht „may I
keep the change?“ gefragt hat, was allerdings noch blöder von ihr
gewesen wäre! Das Ende vom Lied war, dass sie nach etwa zehn Minuten
wieder an unseren Tisch gerauscht kam, uns mit den Worten „Here’s your
cup and here’s your change“ den Becher und das Wechselgeld hingeknallt
hat und ohne weiteren Gruß wieder davongestürmt ist. Natürlich haben wir
ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut und sind dann auch eiligst
verschwunden – das Trinkgeld haben wir selbstverständlich liegen lassen,
vielleicht hat sie im Nachhinein gemerkt, dass hier irgendwo ein
Missverständnis vorlag. Oder die Teenager am Nachbartisch haben es
eingesteckt, wer weiß das schon.
Auch wenn man sich als Deutsche in amerikanischen
Restaurants manchmal etwas fremd fühlt – besonders wenn man in seinen
Hausschlappen unterwegs ist, weil man in der Hektik des Aufbruchs
vergessen hat, die Schuhe zu wechseln – so ist zumindest der Besuch
einer Bar auch nicht viel anders als in Deutschland. Auch in den USA
herrscht normalerweise ein strenges Rauchverbot in Bars und Kneipen, nur
in Nashville gibt es einige Bars, in denen ein Schild bereits am
Eingang darauf hinweist, dass hier Rauchen erlaubt ist und aufgrund des
Jugendschutzes der Eintritt deshalb erst ab 21 Jahren gestattet ist.
Außerdem scheinen manche Kneipen dort den Umsatz ausschließlich mit dem
Ausschank von Bier zu machen, so dass in der „Second Fiddle“ meine Diet
Coke tatsächlich „for free“ war.
Von unserem Besuch in Eddie’s Bar in Royal Oak haben wir ja bereits kurz berichtet – es war der denkwürdige Abend mit Kimmi… Am besten beschreiben lässt sich Eddie’s Bar als Biker-Treff, aber es gab auch Karaoke, die Keno-Lottery und Shuffle-Board. Allerdings handelt es sich bei Shuffle-Board nicht um das aus Ferienclubs bekannte Spiel auf grünen Filzteppichen: das Board ist – wie der Name schon sagt – ein langes Brett aus glatt poliertem Holz, bestreut mit einer dünnen Schicht aus feinstem Sand. Auf dieser etwa hüfthohen Bahn muss man dann seine Spielsteine (ähnlich wie Eishockey-Pucks, nur aus ganz glattem Metall und mit abgerundeten Kanten) sanft entlang gleiten lassen und sie gut platzieren – je weiter vorne sie landen, desto mehr Punkte gibt es. Man muss nur aufpassen, dass man ihnen nicht zuviel Schwung mit auf den Weg gibt und sie hinten vom Brett fallen, andererseits sollte man natürlich die Steine der Gegner über den Rand ins Aus befördern – kurz und gut: ein typisches „Schlag den Raab“-Spiel.
Weniger Geschicklichkeit sondern ausschließlich Glück braucht man für die Keno-Lottery. Über Monitore in der Kneipe kann man alle paar Minuten eine lustig animierte Ziehung von etwa 15 Zahlen beobachten, die für sämtliche teilnehmenden Bars in Michigan gültig ist. Man kann jederzeit einen Tippschein ausfüllen und dabei die Einsatzhöhe, die Anzahl der getippten Zahlen und weitere Sonderoptionen selbst wählen und ist dann bei der nächsten Ziehung dabei. Wir haben ein paar 2-Dollar Spiele mitgemacht, mal gewonnen, mal verloren, und am Ende nichts dabei verdient.
Von dem Abend in Toby Keith’s Bar haben wir auch
bereits berichtet, und scheinbar muss man als Country-Star wohl seine
eigene Kneipe haben, denn in Nashville stießen wir auf die Bars von
Dolly Parton und Charlie Daniels, in Orlando gibt es Jimmy Buffett’s
„Margaritaville“. Das Beste in dieser Bar waren allerdings nicht die
wunderbaren Frozen Margaritas oder die geniale Band, sondern die
Raucherzone direkt vor dem Eingang. Hier stehen sogenannte Adirondack
Chairs, bunt bemalte Gartenstühle aus Holz, die aufgrund ihrer Form so
bequem sind, dass man eigentlich gar nicht mehr aufstehen mag (oder
kann, weil man irgendwie ziemlich tief sitzt). Spaßeshalber haben wir
mal die Margaritaville-Website besucht und festgestellt, dass man so
einen Stuhl dort sogar bestellen kann – für 349,59 Dollar plus 75 Dollar
Versand, wobei der Versand nach Europa bestimmt um Einiges teurer wäre.
Wie dem auch sei, leider kann man nach einem vierwöchigen USA-Urlaub
nicht gerade mit der Kohle um sich werfen und schon gar nicht für einen
Gartenstuhl; das muss wohl warten, bis wir irgendwann mal zuviel Geld
übrig haben – oder um es mit den Worten der Amerikaner zu sagen: „Please
wait to seated!“


