Donnerstag, 5. Juli 2012

Independence Day

Royal Oak, Detroit/Michigan.


Es ist soweit: Amerika hat mir die erste Watschn verpasst, dazu aber später mehr. Gestern war also der 4. Juli, der Unabhängigkeitstag. Tagsüber hat man nicht viel davon mitbekommen, die Geschäfte waren geöffnet, und so sind wir wieder zur Great Lakes Crossing Mall gefahren.
John und ich sind diesmal getrennte Wege gegangen, da John sich mit Jeans eindecken wollte und ich keine Lust hatte, wie ein gelangweilter Ehemann danebenzustehen und zu beurteilen, ob diese Jeans richtig sitzt oder jene Hose den Hintern fett oder flach aussehen lässt (wir haben das Alles schon durchgemacht und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt). Stattdessen bin ich auf eigene Faust losgezogen, habe in knapp 90 Minuten die ringförmig angelegte Mall einmal komplett umrundet, und mir immerhin ein T-Shirt der Detroit Tigers gekauft, das ich am Freitag zum Baseballspiel anziehen werde.
Auf dem Heimweg hatte es übrigens über 102° Fahrenheit, was fast 40° Celsius entspricht, in den Gebäuden ist es wie immer saukalt, aber noch ist keine Erkältung in Sicht (toi toi toi).

Gegen 6 Uhr abends sind wir dann rüber zu Kerry gefahren, und gerade als wir es uns auf der kleinen Terasse vor der Eingangstür gemütlich gemacht hatten, setzte der Sturm ein: Wolkenbruch, Wind, Blitz und Donner, die gesamte Palette eben. Wir haben dann Zuflucht im Haus gesucht, und gottseidank hatte der Kammerjäger gute Arbeit geleistet, so dass wir von keinen ungebetenen Gästen behelligt wurden. Nachdem sich das Wetter wieder etwas beruhigt hatte, sind wir wieder nach draußen gegangen. Es war immer noch extrem windig, und gerade als ich dachte, wie hübsch die amerikanische Flagge aussieht, wenn sie im Wind weht, hat sie mich mit voller Breitseite erwischt: John hat sie nur seitlich gestreift, aber mich traf sie mit voller Wucht im Gesicht, es fühlte sich an wie eine saftige Ohrfeige mit einem klatschnassen Handtuch. Kimmi meinte, das wäre Amerika's Art mich willkommen zu heißen :)

Ansonsten lief der Abend ähnlich ab, wie ein Silvesterabend in Deutschland: Sobald es dunkel wurde, kamen die Leute aus ihren Häusern und zündeten Feuerwerkskörper auf der Straße. Das ganze Spektakel zog sich über fast zwei Stunden, ab elf Uhr wurde es dann wieder ruhig, da ab diesem Zeitpunkt offiziell Schicht im Schacht ist (was aber von Vielen ignoriert wurde).
Auf dem Heimweg haben wir dann die Folgen des Sturms gesehen: die Straßen waren überschwemmt, und in der Barrett Avenue lag ein umgeknickter Baum auf der Fahrbahn. Gottseidank hat's nicht den großen toten Baum direkt vor Patsys Haus erwischt...



(Auf dem ersten Bild dieser Serie seht ihr übrigens Johns neue Freundin Erica - sie folgt ihm auf Schritt und Tritt, und Kerry meint, dass sie daheim auch ständig von John spricht. Ich weiß, wo wir in 20 Jahren definitiv nicht mehr hinfahren werden *gg*)

Heute kommt Johns Schwester Sandy aus Ohio zu Besuch. Eigentlich wollten wir gemeinsam Johns Neffen Jeffrey besuchen, aber leider muss dieser heute doch arbeiten, so dass wir uns etwas anderes einfallen lassen müssen. Oh oh - gerade im Moment fängt es wieder an zu donnern - ich bin mal gespannt, was der Tag noch so bringt!

Viele Grüße aus dem Land der Unabhängigen,

 

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