Kissimmee, Orlando/Florida. Von strapazierten Nerven und Nervenkitzel, Wolkenbrüchen und mehr
Um Orlando zu beschreiben, müsste man eigentlich einen ganzen Roman verfassen – oder aber man bringt es mit einem Wort auf den Punkt: Reizüberflutung. Hier gibt es Alles, und davon viel zu viel. Die Leuchtreklamen für Hotels, Restaurants und Ramschläden erschlagen einen und lösen bei mir vor allem eines aus: Panik. John tendiert eher zu Verwirrung und Stress. In unserer Schublade haben wir, grob geschätzt, um die 80 Coupons für Bars, Läden und Veranstaltungen, von denen vielleicht zwei eventuell brauchbar sind – und die gilt es erstmal rauszufiltern.
Keine Coupons übrigens gibt es für die eigentlichen
Attraktionen hier, nämlich die großen Vergnügungsparks, die
hauptsächlich in den Händen von Disney und Universal liegen. Disney
World besteht aus vier einzelnen Themenparks, nämlich Magic Kingdom,
Epcot, Animal Kingdom und die Hollywood Studios, außerdem gibt es noch
ein paar Wasserparks. Die Eintrittspreise wurden erst vor zwei Wochen
wieder erhöht und belaufen sich jetzt auf 88 Dollar – für einen einzigen
Park!!
Klar, dass bei so einer Abzocke auch ein paar
gewiefte Köpfe mitmischen und das eine oder andere Schlupfloch für die
Touristen schaffen. Möglich wäre beispielsweise folgendes Szenario:
besitzt man einen Mehrtagespass (z.B. acht Eintritte innerhalb von 14
Tagen) und hat nach vier Parks bereits die Schnauze voll (was gut
möglich ist) dann könnte man den Pass entweder wegschmeißen oder
weiterverkaufen. Nützlich wären dann natürlich ein paar Tickethäuschen,
die solche angebrochenen Pässe kaufen und an andere Touristen
weiterverkaufen, z.B. für 55 Dollar. In diesem Falle könnte man dann
beispielsweise als Derek und Heather R. ganz locker durch die Tore von
Disney’s Magic Kingdom spazieren – „Heather“ würde sich vermutlich vor
Angst und Aufregung fast in die Hosen machen, „Derek“ hingegen würde den
Nervenkitzel in vollsten Zügen genießen.
Natürlich könnte es Probleme geben, wenn die
Fingerabdrücke gescannt werden, da hier logischerweise eine
Fehlermeldung kommen müsste, aber in diesem Fall sollte man einfach ganz
cool und ein bißchen genervt weiter auf dem Scanner herumtrommeln und
hoffen, dass irgendwann doch noch ein grünes Lämpchen aufleuchtet, oder
die Sicherheitsleute einen trotzdem passieren lassen, weil es ihnen zu
blöd ist, deswegen ein großes Verhör zu starten. Günstig für so eine
Aktion wäre natürlich ein Feiertag, wenn sowieso ein unüberschaubarer
Menschenandrang ist – beispielsweise Labour-Day. Tja, hier wäre viel
machbar, aber selbstverständlich würden John und ich niemals auf solche
Ideen kommen…
Wie dem auch sei, John und ich waren heute in Magic
Kingdom – gefallen hat’s uns nicht besonders. Zum einen war hier die
Hölle los (heute war Labour-Day und die Kinder hatten schulfrei), zum
anderen geht die Abzocke im Park weiter – von der Parkplatzgebühr von 14
Dollar mal ganz abgesehen. Die Disney-Artikel in den zahlreichen
Souvenirshops werden zu Apothekerpreisen verhökert und auch die Preise
für Essen und Trinken sind eigentlich völlig pervers – aber leider ist
man in diesem Park gefangen und hat natürlich irgendwann mal Hunger und
Durst. Rauchen unter freiem Himmel ist hier auch nicht überall
gestattet, dafür muss man sich erst ein ungemütliches Ghetto in der
prallen Sonne suchen.
Die kleine Revue vor Cinderella’s Castle und die
Nachmittagsparade mit den bekannten Disney-Figuren waren ganz nett, nur
die stechende Sonne Floridas war fast unerträglich. Wasserspritzende
Ventilatoren wurden für 20 Dollar angeboten. Am späten Nachmittag setzte
dann der Regen ein und prompt gab es überall „Regenponchos“ (von der
Qualität her nicht besser als gelbe Säcke) zu kaufen. Die Rauch-Ghettos
waren natürlich nicht überdacht. Leider warteten wir vergeblich darauf,
dass es aufhörte zu schütten, so dass wir dann gegen halb acht
beschlossen, auf die Abendparade und das große Feuerwerk zu verzichten –
sofern das bei dem Wetter überhaupt stattgefunden hätte. Am Ende war
ich so genervt, dass ich den „Winkern“ am liebsten meine Sandalen (ja,
schon wieder – und das bei Regen) an den Kopf geworfen hätte.
Sonderbares Phänomen: Egal ob man in einer Bahn oder einem Boot sitzt,
draußen stehen immer irgendwelche Leute, die einem blöd zuwinken. Das
sind bestimmt die gleichen, die sich immer grinsend und winkend in den
Hintergrund stellen, wenn irgendwo ein Interview gemacht wird.
Unterm Strich plagt mich heute vor Allem ein
schlechtes Gewissen, weil ich diejenige war, die unbedingt nach Magic
Kingdom wollte. Umso bemerkenswerter finde ich, dass John bei Weitem
nicht so genervt war wie ich – ich hab mich grad nochmal vergewissert:
ihn haben nicht einmal die Winker gestört! Für morgen oder übermorgen
haben wir eventuell die Universal Studios geplant und wir sind
optimistisch, dass wir dann mehr Glück haben.
Liebe Grüße aus dem heute Abend nicht so sonnigen Sunshine-State,
D. und H. :)






























































